Auf dem Weg zum digitalen Betrieb

 Bericht vom top farmplan Infotag unter dem Motto „Digital denken – Erfolg ernten“

Die Digitalisierung hat das Potenzial, die Agrarbranche grundlegend zu verändern. Doch wie sieht der digitale Alltag im Büro der Betriebsleiter aus? Und wie kann der Einstieg gelingen? Diese und weitere Fragen wurden den Teilnehmern des top farmplan Infotags am 13.09.2018 in Münster beantwortet. 

Am 13.09.2018 veranstaltete top farmplan einen Infotag in Münster

Veränderungen mag unser Gehirn gar nicht. Telefon, Computer, Internet – alles technologische Innovationen, die in ihren Kinderschuhen mehr belächelt als ernst genommen wurden. „Es ist ganz normal, dass wir uns erstmal gegen Neues sträuben“, berichtete Dr. Matthias Weddeling, Geschäftsführer der Sparte LV digital aus dem Landwirtschaftsverlag. „Auch wenn unser Gehirn Gewohnheiten liebt ist es manchmal trotzdem sinnvoll, sich von ihnen zu lösen“ so Weddeling weiter.

Wunsch versus Wirklichkeit

Der digitale Wandel könnte so ein „manchmal“ sein. Blickt man auf die aktuellen Herausforderungen der Agrarbranche, wird aus dem „könnte“ schnell ein „muss“. Bei dem zunehmenden Dokumentationsdruck und wachsenden Papierbergen kann die Digitalisierung unterstützen.

Das nächste „große Ding“ wird nicht höher, schneller oder weiter, sondern effizienter, smarter, ressourcenschonender. Da ist sich Wochenblatt-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann beim Blick auf den technologischen Wandel sicher. Schulze Steinmann weiß aber auch: „Wunsch und Wirklichkeit klaffen oftmals noch auseinander.“ Das zeigt sich nicht zuletzt an der lückenhaften Breitband­erschließung vieler ländlicher Regionen. Dies behindert oft den Weg zum digitalen Betrieb.

Beispiele vom digitalen Betrieb

Zwei, die sich trotzdem auf den Weg in den digitalen Alltag gemacht haben, sind Marcus Holtkötter und Hartmut Börger.

Arbeitserleichterung für Schweinebauer Holtkötter bietet insbesondere eine digitale Ackerschlagkartei. Für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort nutzt Holtkötter, der auch als Agrarblogger „Bauer Holti“ bekannt ist, unter anderem sogenannte Broadcast-Listen des Messenger- Dienstes WhatsApp. Eine Nachricht kann auf diese Weise gleichzeitig an mehrere Kontakte verschickt werden, ohne dass die einzelnen Empfänger für alle sichtbar sind. „Vor allem beim Güllefahren informiere ich die Nachbarn kurz mit einer Nachricht – das sorgt insgesamt für mehr Verständnis und weniger Beschwerden.“

Hartmut Börger hat sein Büro bereits komplett digital umgestellt

Hartmut Börger, Milchviehhalter aus Wietmarschen (Grafschaft Bentheim, Niedersachsen), hat vor einem knappen Jahr mit der Software top farmplan den Einstieg ins digitale Agrarbüro gewagt und eines gelernt: „Wenn man umstellt, dann auch konsequent!“

Mittlerweile legt er alles digital ab. Vom Lieferschein bis zur Futtermittelrechnung: Sobald ein Dokument eingeht, wird es mittels Paginier­stempel nummeriert, eingescannt und anschließend in Kartons aufbewahrt. Nur besondere Dokumente wie Verträge oder Steuerbescheide werden noch in Ordnern abgeheftet. „Eine unglaubliche Zeitersparnis!“

Den größten Vorteil sieht der Milchviehhalter aber in der automatischen Texterkennung und Volltextsuche, die das Programm bietet: „Man kann jedes Wort in jedem Dokument suchen. Das kann ein Papierbüro im Leben nicht leisten!“

Schritt für Schritt digital

Auch wenn Börgers Agrarbüro und Holtkötters Schweinebetrieb in vielen Bereichen immer digitaler werden, hat die analoge Lösung nicht ausgedient. So verzichtet Holtkötter nicht auf die Stallkarten vor den Schweinebuchten: „Digital bedeutet nicht automatisch auch besser. Es ist wichtig, seinen eigenen Weg zu finden und sich Schritt für Schritt auf die neue Technik einzulassen.“ Hier zeigt sich, dass manches auf den digitalen Betrieb auch noch analog läuft.

In Anlehnung an:  Marit Schröder Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben vom 20.09.2018

Eindrücke vom top farmplan Infotag

25. September 2018

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